Stadt-Magazin Baden-Baden Herbstausgabe

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Wie das „La Casserole“ die echte Brasserie-Kultur nach Baden-Baden bringt

Wer durch Baden-Baden flaniert, sucht oft den großen, mondänen Auftritt. Doch die wahre kulinarische Entdeckung dieser Tage liegt abseits der touristischen Standard-Gastronomie. Im La Casserole wird ein Stück lebendige Kulturgeschichte serviert. Es ist das einzige Lokal der Stadt, das sich konsequent und kompromisslos auf die französisch-elsässische Tradition beruft.

Man darf es laut sagen: Hier hat Baden-Baden seine erste echte, typische kleine Brasserie gefunden.

Ein Mikrokosmos des französischen Lebensgefühls

Schon die Ankunft gleicht einer kleinen Reise über die Grenze. Auf der kleinen Terrasse sitzt man wie in den Straßen von Straßburg oder Paris, im Innenraum atmet jede Ecke französisches Flair, untermalt vom sanften Chanson-Klang im Hintergrund. Das Herz dieses Mikrokosmos ist Gastgeberin Agnes. Mit einer liebevollen, familiären Herzlichkeit kümmert sie sich um ihre Gäste – eine Nahbarkeit, die man in der oft steifen High-Society-Stadt sonst schmerzlich vermisst. Als Willkommensgruß funkelt ein eisgekühlter Pastis im Glas. Der klassische Anisschnaps ist nicht nur ein Aperitif, sondern das kulinarische Aufbruchsignal für das, was folgt.

Vom Quartier Latin nach Baden-Baden

Die Sinfonie auf dem Teller: Der Schenkel der Maispoularde

Wie intensiv und gleichzeitig elegant diese französische Landhausküche schmecken kann, offenbart sich beim Servieren des Hauptgangs. Die Architektur des Tellers ist klug durchdacht: Den Boden bedeckt ein handwerklich makelloses Kartoffelpüree, das sich am Gaumen schmelzend und perfekt austariert gewürzt auflöst. Darüber schichtet sich das Gemüse mit präzisem Biss: Die Karotten sind glasig gedünstet und fein al dente, während die Zucchini sich dezent im Hintergrund halten, um Platz für den Hauptdarsteller zu machen. Königlich thront darauf der krosse und zugleich wunderbar zarte Schenkel der Maispoularde. Der geniale handwerkliche Kniff von Chef Julius liegt im Finish: Das Geflügel ist mit einem frischen Chili-Knoblauch-Öl begossen, das dem Gericht eine subtile, energetische Schärfe verleiht. Umringt von feinen Schalotten und fruchtigen, im Ofen leicht aufgesprungenen kleinen Tomaten, verbinden sich die Komponenten im Mund zu einer echten Sinfonie des feinen Geschmacks. Es ist herzhaft, es ist bodenständig, aber es besitzt eine aromatische Dichte, die lange nachhallt.

Fazit: Keine Kulisse, sondern echte Seele

Das La Casserole zeigt, dass Brasserie-Küche kein verstaubtes Konzept ist, sondern ein lebendiger Genuss. Wer ehrliches Handwerk, frankophile Lebensfreude und Gerichte abseits des Mainstreams sucht, kommt an diesem charmanten Refugium in Baden-Baden nicht vorbei.


Ein Name, der sich nicht sofort einprägt. GIA.MOO.

Und wer in Steinbach einfache Gastronomie erwartet, wird überrascht sein. Ich fahre hin, um Volkan Ugurlu kennenzulernen. Dann öffne ich die Tür – und denke: Ich bin in New York. Schwarz statt Eiche rustikal. Licht. Klare Linien. Fein gedeckte Tische. Eine Bar, die nicht einfach an der Wand steht, sondern den Raum beherrscht. Hier möchte man sitzen. Etwas bestellen. Geschüttelt oder gerührt. Im Zentrum: ein uralter Bonsai. Japanisch, orientalisch, mitten im modernen Raum. Ein Baum als Kontrapunkt zur Architektur. Volkan Ugurlu spricht über sein Restaurant und über seine Gäste.

GIA, sagt er, stehe für die Perfektion und den Glanz eines Diamanten. Seine Gäste seien für ihn die Diamanten. MOO steht für den Mond. Für Magie, Gefühl und Seele. Damit ist eigentlich schon ziemlich viel über seine Küche gesagt. Seit Dezember vergangenen Jahres hat Volkan den ehemaligen Hirschen umgebaut, restauriert und völlig neu gedacht. Kein Facelifting, sondern ein neuer Entwurf. Sein Weg dorthin ist ebenso ungewöhnlich. Als Kind verkaufte er in Anatolien Eis. Später arbeitete er sich bis in die besten Fünf-Sterne-Häuser hoch. Auf einem Schiff lernte er seine Frau kennen, eine Frau aus Achern. Er blieb in der Region. Und irgendwann war klar: Der eigene Traum muss her. Die Küche ist einsehbar. Das gefällt mir. Und dann kommt das Essen. Mediterrane Aromen, präzise eingesetzt. Kein dekoratives Feuerwerk, sondern Geschmack. Cremig, salzig, süß, warm, intensiv. Käse-Pistazien-Creme. San Sebastian Cheesecake. Volcano Soufflé. Man könnte das Soulfood nennen. Aber das wäre mir zu bequem. Denn hier geht es nicht nur darum, satt zu werden. Hier kocht jemand, der Menschen glücklich machen will. Vielleicht lässt sich GIA.MOO deshalb am einfachsten so übersetzen: Die Leidenschaft des Kochs lässt die Augen seiner Gäste leuchten.

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